Klavierkonzert I

Möchten Sie mit der Pianistin Erika Le Roux ein bisher unveröffentlichtes Werk von Friedrich Zehm uraufführen?

Chronologie  eines Klavierkonzerts

Entstehung und Dornröschenschlaf

Der damals 39-jährige Komponist Friedrich Zehm vollendete 1962 sein einziges Klavierkonzert, vermutlich dem amerikanischen Pianisten Julius Katchen zugedacht. Zehms berufliche Tätigkeit als Musikreferent im Amerikahaus Freiburg muss ihn mit Katchen zusammengebracht haben, der 1960 in Freiburg u.a. mit Tschaikowskys b-moll-Konzert gastierte – in einem Sinfoniekonzert, das Friedrich Zehms Allegro Concertante von 1959 für großes Orchester zur Uraufführung brachte. War jener Abend für den aufstrebenden Komponisten die Initialzündung, selbst ein großes Klavierkonzert zu schreiben?

Original Plakat 1960 mit Friedrich Zehms Uraufführung seines „Allegro Concertante” (Förderpreis der Stadt Stuttgart)
Klavierabend Julius Katchen, Freiburg, Kaufhaussaal, 7. Februar 1961; Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg
Friedrich Zehm und seine Arbeit im Amerikahaus Freiburg 1962 · AUDIO: Rundfunkporträt des SWF (heute SWR), 1988

Noch in Freiburg und ab 1963 in Mainz als Musiklektor im Verlag B. Schott’s Söhne bemühte sich der Komponist um die Herstellung des Aufführungsmaterials seines Konzerts durch den Simrock Verlag in Hamburg, wo er fast alle seine „Freiburger Frühwerke” untergebracht hatte. Die noch vorhandene Korrespondenz zeugt von den Hürden bei den zähen Bestrebungen, das Konzert auf die Bühne zu bringen. Mit Julius Katchens Tod 1969 sollte dann  endgültig der über drei Jahrzehnte lange „Dornröschenschlaf” dieses Klavierkonzerts beginnen. Zehm hatte es aus dem Blick verloren, aufgegeben; im Licht der Schott-Elite der 1970er Jahre wandte er sich einer neueren Stilära zu.

Friedrich Zehm, Musiklektor bei B. Schott’s Söhne Mainz, 1970

Von der Wiederentdeckung bis zur digitalen Einspielung

2002 erstellte die Musikwissenschaftlerin Dr. Heidrun Miller ihre Dissertation über Friedrich Zehm – Komponist zwischen Tradition und Moderne mit einem wissenschaftlich erschlossenen Werkverzeichnis. So wurde Christoph Zehm  auf das „unerhörte” Klavierkonzert seines Vaters aufmerksam. Als klavier- und computer-affiner Musiker ließ ihn das Werk nicht mehr los: über einen Zeitraum von drei Monaten spielte er Klavierpart und, mangels einer Partitur, das bereits im August 1960 vom Komponisten vollendete Orchesterparticell in den Rechner ein. Auf diese Weise bekam dieser sein eigenes Werk noch zu Lebzeiten zu hören – übrigens mit etwa 38 Minuten Spieldauer Friedrich Zehms längstes Werk überhaupt. Nur: warum gab es keine Partitur? Entgegen allen Gepflogenheiten bei jedem seiner Werke konnte Friedrich Zehm weder ein Original noch Duplikate oder Vorentwürfe auffinden, war sich sogar nicht einmal sicher, selbst eine solche geschrieben zu haben. Eines Tages kam er auf die Idee, förmlich eine Partitur beim Verlag zu bestellen. Sie kam nach einiger Zeit als gute kontrastreiche Kopie. Er hatte sein handgeschriebenes Original ohne Sicherungsduplikat nach Hamburg geschickt.

Christoph Zehm, Friedrich Zehm, Wiesbaden 2007

Seit dem Tod Friedrich Zehms 2007 archiviert und bearbeitet Christoph Zehm den Werknachlass seines Vaters und nahm 2009 erstmals Kontakt mit Boosey & Hawkes Berlin auf, wo das Werk im Verlag Anton J. Benjamin (Simrock) verlegt ist. Dort war die autographe Original-Partitur nebst sauber geschriebenem Aufführungsmaterial, dem Schriftbild nach von einem Notenzeichner des Verlags angefertigt, vorhanden. 2018, unter neuer Verlagsleitung, erhielt er die autographe Bleistiftpartitur seines Vaters überlassen, um sie zu reproduzieren und in einen „dirigierfähigen“ Zustand zu bringen. Außerdem erstellte er Notensatz für den Solopart. Darüber hinaus brachte er seine digitalen MIDI-Klangdaten mit den Partiturnoten in Übereinstimmung. Somit ist es nun technisch möglich, das komplette Klavierkonzert einschließlich auskomponierter Kadenz als Klangdemo mit „Orchester” zu hören.

Erika Le Roux, Klavier und das „virtuelle Orchester”, 2020 · AUDIO: Ausschnitt aus dem 3. Satz

Erika Le Roux, Klavier und das virtuelle Orchester

Die Wiesbadener Pianistin Erika Le Roux war vom ersten Augenblick an Feuer und Flamme, als sie 2019 die Noten zu sehen bekam. Im März 2020, wenige Tage vor dem ersten Lockdown, konnten Video-Aufnahmen von Werkausschnitten mit ihr am Flügel gemacht werden, die  Christoph Zehm mit dem „virtuellen Orchester” am Rechner synchronisierte. Dabei erwies sich als visuell vorteilhaft, die Bilder in Schwarzweiß zu stellen, was den Demo-Charakter, aber auch ganz besonders die Entstehungszeit der frühen 1960er Jahre stilisiert und gleichzeitig die sinnliche Fokussierung auf die Musik bündelt. Gewinnen Sie so einen klanglichen Eindruck von Friedrich Zehms Konzert für Klavier und Orchester mit Erika Le Roux im Solo-Part: den Link zum Trailer-Video auf YouTube finden Sie unten auf dieser Seite!

Erika Le Roux als Pianistin und Christoph Zehm als Erbe und Rechtsnachfolger des Komponisten wurde vom Verlag das Exclusivrecht zur Uraufführung eingeräumt – nicht zuletzt, da er das Werk seit mehreren Jahren mit dem Ziel einer Realisierung auf der Konzertbühne aufarbeitet. Im Jahr 2023 jährt sich übrigens zum 100sten Mal der Geburtstag Friedrich Zehms, Komponist zwischen Tradition und Moderne.


Klavierkonzert II – Informationen zum Werk

Charakterisierung und Einordnung
Besetzung und Aufführungsmaterial
Zum Klavierwerk Friedrich Zehms
Trailer Video auf YouTube


Trailer-Video auf YouTube mit Erika Le Roux, Klavier


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